Seit heute erlebe also auf der
Systems 2005, dem Vernehmen nach "einer der größten Messen" in der IT Branche, aber was ist heute nicht das "größte", "beste", "schnellste" oder "intelligenteste". Superlativ sei gnädig.
Wir sind in der Halle A3 am Gemeinschaftsstand der
WKO (dessen Design der guten alten Sendung
Made in Austria mit
Günther Tolar alle Ehre machen würde). Ein erster Rundgang bestätigt meinen Eindruck: Messen sind eine eigene Welt. Schon auf dem Weg zur Halle machen die mittelalten, mittelschweren Herren in mittelhübschen Anzügen mit mittelhübschen Kravatten und mittelhoher Haarflucht einen eher befremdlichen Eindruck.
Weiter hinten in der Halle dann das Mittelstandsforum. Eine viel zu groß dimensionierte Bühne, mit viel zu vielen Stühlen für das viel zu schüchterne oder desinteressierte Publikum füllt Raum, von dem gibt es ja reichlich. Auf der Bühne ein mittelgroßer Mann, mittleren Alters, der mit grottenschlechten Folien einen noch schlechteren Vortrag unterstützt. Als er die gelbe Karte zeigt, die ihm seine Frau auf Grund der durchgearbeiteten Wochenenden in Folge eines Servercrashes gewiesen hat, ist bei den 3 oder 4 Zuschauern (Tontechniker inklusive) nicht mal ein müdes Lächeln zu sehen.
Gleich daneben findet sich die "Innovation Area", wo man interessanterweise "Standardlösungen" anbietet. Sehr innovativ. Überhaupt finden sich dort reihenweise innovative Dinge, von WLAN über Web Content Management bis hin zu
Zeta.
Daneben ein gemeinsamer Stand von Wikimedia und ein paar anderen, die T-Shirts mit der Aufschrift "Puffiana Jones" verkaufen.
Auf dem Rückweg zum Stand erzählt ein Mann, schätzungsweise Mitte 40, von seinen bisherigen Ehen. "Meine zweite Frau habe ich beim Scheidungstermin mit meiner ersten kennengelernt. Gehalten hat das trotzdem nicht lange, aber meine jetzige,...". Der Satz verendet im akkustischen Messegewühl.
Plötzlich das Gefühl ein Fremdkörper zu sein.